Codex Brandis – Band 1

Codex Brandis – Band 1

Der Codex Brandis
Die Burgen im Burggrafenamt, im Vinschgau und im Oberinntalherausgegeben

von Ulrike Kindl und Alessandro Baccin
Unsere Burgen sind Wächter der Zugangswege in die Täler, stolze Zeugnisse des Tiroler Adels. Die Burgen und Schösser Südtirols sind ein prägendes Element unseres Landes, das übrigens die größte Konzentration an Burgen und an Wehrbauten in ganz Europa aufweist. So ist es kein Zufall, dass im Südtiroler Landesarchiv die wohl bedeutendste Bilder-Handschrift zum diesem Thema aufbewahrt wird: der Codex Brandis, ein Dokument von außerordentlichem historischen und künstlerischen Wert, denn Burgen, Herrschaftssitze und Wehranlagen der Städte sind darin in ihrem damaligen Zustand mit meisterlicher Hand skizziert. Der Codex Brandis ist unvollendet geblieben. Wir kennen den Namen des Autors der 105 Skizzenblätter nicht. Wir wissen auch nicht, warum einige Gegenden wie Bozen oder Innsbruck oder die Burgen im Eisacktal und im Pustertal nicht erfasst sind. Auch über die Entstehungszeit dieses wichtigen Werkes kann man nur Mutmaßungen anstellen. Einige Elemente lassen aber Datierungen zu: für das Skizzenblatt mit der Ansicht von Meran können wir z.B. einen Zeitraum um 1618 ansetzen, weil genau damals die Spitzenhaube des Meraner Kirchturms neu gestaltet wurde.Der Auftraggeber des Codex Brandis ist hingegen bekannt: Jakob Andrä von Brandis (1569-1629), Landeshauptmann von Tirol, Spross des vornehmen Geschlechtes der Brandis, ein Vertrauter des Landesherrn Erzherzog Maximilian III. Anfang des 17. Jahrhunderts verfasste Jakob Andrä von Brandis ein bedeutendes Werk über die Geschichte Tirols, und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Zeichnungen in den literarischen Teil hätten integriert werden sollen. Vielleicht aber hätten die Skizzen der Burgen und Schlösser auch den Wohlstand des Tiroler Adels dokumentieren sollen: der Dreißigjährige Krieg war gerade ausgebrochen, und die Regierung des Habsburger Reiches war auf der Suche nach Geldquellen für die Kriegsführung – da kam eine Bestandaufnahme der Adelssitze gerade recht.Über vierhundert Jahre lang ruhte der Codex kaum beachtet in den Archiven. Erst im Jahr 1973 veröffentlichte Oswald Graf Trapp im „Schlern“ eine Abhandlung über den Codex Brandis mit einer Auflistung der darin enthaltenen Burgen und „Ansichten“; und 1975 gab der  Kunsthistoriker Nicolò Rasmo eine Teiledition heraus, die allerdings nur die 56 im heutigen Trentino verorteten Skizzen enthielt. Die Wiederentdeckung des Codex Brandis ist dem Historiker Alessandro Baccin von der Meraner Weiterbildungsorganisation Tangram zu verdanken. Er sah den Codex 2012 bei einer Ausstellung im Castello del Buonconsiglio in Trient und war begeistert: um auf die Bedeutung dieser einmaligen Bilder-Handschrift aufmerksam zu machen, startete er in der Folge eine Reihe von Initiativen. Nun kann Tangram, dank der tatkräftigen Unterstützung durch die öffentliche Hand und durch die finanziellen Zuwendungen mehrerer Sponsoren, das im Laufe der Jahre angesammelte Studienmaterial und die Ergebnisse der langwierigen Forschungen in Form einer dreibändigen Ausgabe des Codex Brandis der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.In den nächsten Tagen kommt der erste Band, Der Codex Brandis. Die Burgen im Burggrafenamtes, im Vinschgau und im Oberinntal in den Handel. In diesem ersten Band, vorgestellt von Jakob Graf Brandis, einem Nachkommen des Jakob Andrä von Brandis, geht es um den geschichtlichen Kontext. Auf den 176 Seiten des Bandes finden wir Informationen, um das Werk historisch einzuordnen, eine Vielzahl von Bildern aus Archiven, Museen und Privatsammlungen und eine genaues Profil der Zeichnungen: Ulrike Kindl beschreibt mit Liebe zum Detail alle Zeichnungen der ersten drei „Gegenden“, die der unbekannt gebliebene Zeichner erfasst hat, von den historischen Edelsitzen in der „Meraner Gegend“ über die Burgen im Vinschgau bis zur Grenzfeste Finstermünz und den Burgen im Oberinntal, welche in fernen Zeiten die umstrittenen Grenzlinien zwischen Tirol und der Schweiz unter Kontrolle hielten.Die „Meraner Gegend“ des Codex enthält, über das eigentliche Burggrafenamt hinausgehend, auch eine Skizze der Jaufenburg; dann folgen Schloss Schenna, Landschaftsskizzen vom Eingang in das Passeiertal, Goyen, Katzenstein (2 Skizzen), die Fragsburg, Eschenloch am Eingang ins Ultental, die Zenoburg, Burg Auer, die alte Landeshauptstadt Meran mit Schloss Kallmünz, ein Landschaftsbild mit Schloss Tirol, die Brunnenburg, ferner die Maiser Ansitze Knillenberg, Reichenbach, Rottenstein, Winkel, Rubein, Trauttmansdorff, Rametz, Labers, sowie das Kloster Maria Steinach in Algund und als Abschluss Schloss Forst.Die Reise durch den Vinschgau beginnt auf der Töll, mit einer genauen Zeichnung der alten Zollstation. Weiter geht es mit der Stachelburg, Hochnaturns, Dornsberg, Juval, einer kuriosen Skizze des Taleinganges ins Schnalstal und dem Kartäuserkloster in Schnals. Es folgen Schloss Kastelbell, Schloss und Dorf Latsch, die beiden Burgen Annenberg und Goldrain, Ober- und Untermontani, Lichtenberg, die Churburg, die mauerbewehrte Stadt Glurns, die Fürstenburg, eine Zeichnung des Taleinganges von Taufers mit den beiden Burgen Rotund und Reichenberg.Die Erfassung des Oberinntales beginnt mit der Zeichnung von St. Petersberg. Es folgen die Ansicht von Imst, die Kronburg, Schrofenstein mit der Sperrmauer von Lötz, Schloss Landeck, die Burgen Wiesberg und Bideneck und zwei Ansichten von Laudeck. Genau erfasst sind die Wehrbauten von Finstermünz mit der Sperrmauer der Niklas-Klause und schließlich Tarasp (im Unterengadin in Graubünden).
Die Titel der vier Beiträge:
  • Alessandro Baccin, Schwellenzeit. Das frühe 17. Jahrhundert in Tirol.
  • Christoph Gufler, Der Codex Brandis. Ein Denkmal der Tiroler Adelskultur um 1600.
  • Walter Landi, Burgen auf Papier. Der Codex Brandis als burgenkundliche Quelle.
  • Carlo Andrea Postinger, Die Landesbeschreibung der Grafschaft Tirol im frühen 17. Jahrhundert.
Codex Brandis
Codex Brandis – Der Buch, Vol. 1 – Buchvorstellung