AUFENTHALTE DER KAISERIN ELISABETH IN MERAN - DENKWÜRDIGKEITEN

(aus "Elisabeth - Legende und Wirklichkeiten" von Georg  Hörwarter)
Mit einiger Akribie konnte ich nach genaueren Erhebungen verschiedene Termine der Aufenthalte von Elisabeth in Sudtirol eruieren. Erstmals Tirol besuchte die Kaiserin Elisabeth im Oktober 1870, die Anreise erfolgte teils per Bahn über Salzburg-Kufstein-Innsbruck nach Meran. Am 16. Oktober 1870 traf sie in Schloß Trauttmannsdorf ein und verweilte eine längere Zeit in dem aufstrebenden Weltkurort. Um diese Zeit hielt sich über längere Zeiträume auch ihr Lieblingsbruder Herzog Karl Theodor in Bayern in Meran auf. Karl Theodor, dem in der Wandelhalle von Meran eine Büste gewidmet ist gilt als Mitbegründer des Kurortes Meran. 
Er war nämlich ein gesuchter und ausgezeichneter Augenarzt und betrieb in Meran auch eine Ordination, wo er u.a. sozial ärmere Menschen kostenlos behandelte. Elisabeth wollte natürlich auch gerne ihren Bruder sehen und dazu gab es in Meran die Möglichkeit. Mitte März 1871 ist vermerkt, daß Elisabeth von einem längeren Aufenthalt in Meran nach Wien zurückgekehrt war. Am 20. September desselben Jahres weilte Elisabeth längere Zeit auf Schloß Rottenstein in Obermais, welches im Besitz der kaiserlichen Familie gelangte und später von Erzherzog Ferdinand Karl (später nannte er sich Burg) bewohnt wurde. Am 14. Oktober 1871 unternahm Elisabeth von Meran aus eine Kurzreise nach Innsbruck, kehrte aber schon bald wieder nach Meran zurück und verweilte auch den ganzen November hindurch in diesem Kurort. Am 5. Dezember 1871 reiste Elisabeth zur ihrer plotzlich erkrankten Mutter Ludovika nach München. Zu Jahresbeginn 1872 weilte Elisabeth mit der Tochter Marie-Valerie in Meran und reiste von da nach Bad-Ischl in die Kaiservilla. Ende Janner 1872 weilte das Kaiserpaar für mehrere Wochen in Meran, das hohe Paar wohnte in dem eigens für das Monarchenpaar adaptierten Schloß Trauttmannsdorf. Der Kaiser reiste wegen der Regierungsgeschäfte früher ab. Elisabeth verblieb bis März.

Photographie des Steinachviertels in Meran um 1875; die Passer ist noch nicht verbaut. So fand Elisabeth den aufstrebenden Kurort vor.
        
Lithographie einer Meraner Stadtvedute aus der Zeit um 1855, der Zeit der Eheschließung von Elisabeth und Franz Joseph I., Meran war um diese Zeit noch ein verschlafenes Bezirksstädchen, Elisabeth beuschte Meran erst ab 1870, um diese Zeit hatte sich die Passerstadt bereits zum beliebten Kurort emporgearbeitet.
Der umfangreiche Hofstaat der Kaiserin wurde in andere Hotels und vor allem im "Stadlerhof' in Obermais untergebracht. Am 25. März 1872 reiste Elisabeth von Meran mit dem Hofzug nach Budapest, von dort reiste die Kaiserin wieder am 30. April zurück nach Meran. Am 10. Mai erhielt Elisabeth in Meran die Nachricht, daß ihre Tante und Schwiegermutter zugleich, sehr schwer erkrankt war. Elisabeth reiste in Anbetracht dieses Umstandes von Meran ab und traf am 16. Mai 1872 in der Hofburg in Wien ein und konnte Sophie noch lebend antreffen, die Kaiserin war beim Hinscheiden der Tanteanwesend, der Hofklatsch versorgte die Gerüchtebörse mit Vermutungenund Halbwahrheiten. Nun trat eine Periode ein, in der Elisabeth für langere Zeit nicht mehr nach Südtirol kam. Elisabeth unternahm viele Reisen nach England, mit Vorliebe weilte sie aber in der Schweiz und sehr gerne auf der Atlantikinsel Madeira und ebenso gerne auf der Insel Korfu vor Griechenland. Die südliche Landschaft Merans und die grandiose Bergwelt der Dolomiten scheinen aber die Kaiserin wieder in ihren Bann gezogen zu haben, und so reiste Elisabeth am 1. Juli 1886 erneut nach Meran, wo sie fast den ganzen Juli blieb. Von Meran aus unternahm sie am 31. Juli einen Abstecher nach Oberbayern zum Schloß Linderhof, welches ihr Vetter Konig Ludwig II. von Bayern hatte errichten lassen. Vom Linderhof reiste die Kaiserin erneut nach Bad Ischl und Badgastein, wo sie im sogenannten Meran-Haus wohnte.

Am 14. September 1889 besuchte Elisabeth Welschtirol, und zwar den mondanen Gebirgskurort Madonna di Campiglio in der Brentagruppe. Auf der Ruckreise von Campiglio nach Meran ubernachtete die Kaiserin auf der Mendel im Mendelhotel, am Tag darauf stieg sie zum Aussichtsberg Penegal auf, um 11 Uhr stand der Besuch der Wetterschutzhutte des Osterreichischen Touristen Clubs am Programm, am Nachmittag wanderte Elisabeth durch die Furglauer Schlucht nach St.Michael/Eppan. Das Gebiet auf der Mendel war in jenen Jahren im Begriff, ein Kurgebiet von großter Bedeutung zu werden, Kaiser Franz Joseph 1., weilte gelegentlich der Kaisermanover am Nonsberg mehrmals auf der Mendel, der Thronfolger Franz Ferdinand suchte in dieser Berggegend Heilung von seinem Lungenleiden. Am 30. Oktober wollte Elisabeth mit Valerie von Trauttmannsdorf/Meran nach Wien abreisen, die Etsch war aber uber die Ufer getreten und der ungestume Naifbach hatte den Aufenthaltsort der Kaiserin bedroht.
Die Bahnfahrt konnte schon gar nicht angetreten werden und die beiden Damen verbrachten in dieser Notlage sogar eine Nacht im Eisenbahnwaggon am Meraner Bahnhof. Wieder traten einige Unterbrechungen in den Meran Aufenthalten der Kaiserin ein. Im Sommer 1897 kam Elisabeth wieder nach Meran und sie wohnte dieses Mal im Hotel Kaiserhof in der Habsburger Straße. Am 24. August 1897 fuhr Elisabeth durch das Eggental auf den Karerpaß, von dort aus unternahm sie eine Wanderung zum Sohler-Hof und auf den Aussichtspunkt Zenay (dort erinnert heute noch eine Inschrift an ihre damalige Anwesenheit). Im Grand-Hotel am Karerpaß wurden viele Vorkehrungen getroffen, um die Kaiserin standesgemaß und sicher zu beherbergen. Am 14. September weilte Elisabeth aber schon wieder in Meran, in diesen Tagen unternahm sie auch einen Ausflug in das damals sehr beliebte und bekannte Mitterbad bei St. Pankraz im Ultental. Elisabeth fand überhaupt großen Gefallen an der Meraner Bergwelt, und sie unternahm auch Ausritte zu Pferd ins Burggrafenamt, gerne besuchte sie das Zieltal und das Spronser Tal, von einer Wanderpartie ins Spronser Tal hat sich sogar ein Photo erhalten.

Am 27. September 1897 verließ die Kaiserin Meran, und sie kehrte von nun ab nie mehr wieder, denn knapp nach einem Jahr (am l0. September 1898) war sie ja in Genf durch die Mörderhand eines Geistesgestörten aus dem Leben gerissen worden. An den verschiedenen Aufenthaltsorten in Meran erinnert in erster Linie das Elisabeth-Denkmal in der Meraner Sommeranlage. Dieses Denkmal wurde 1903 vom Bildhauer Klotz in Laaser Marmor gearbeitet und war von einem ungarischen k.u.k. Truchsess und Edelmann Emil Dalmata von Hideghet gestiftet worden. An ihre längeren Aufenthalte im Schloß Trauttmannsdorf, sowie im Hotel "Kaiserhof", heute Sitz der Landeshotelfachschule gleichen Namens, erinnern jeweils Gedenktafeln mit Reliefs und Inschriften aus Marmor an ihre Anwesenheit in der Passerstadt.

Zum Anlaß der 100. Wiederkehr ihres Todestages begimg Meran mit einer Reihe von Veranstaltungen, dieses historische runde Datum, außer Ausstellungen zum Thema Elisabeth und ihre Zeit wurden dieser legendären Frau, ein festlicher Ball und ein Sonderstempel, des Meraner Postamtes gewidmet. Mit der Benennung jenes Teiles der Sommerpromenade, wo das Denkmal steht, in "Elisabeth-Promenade", möchte die Stadtgemeinde Meran verspätet diese für Meran so wichtige Pionierin des Meraner Fremdenverkehrs ehren. Durch die wiederholten Aufenthalte der Kaiserin war Meran zum Modeort der Aristokratie geworden und dadurch ist sie ganz unbewußt, zur Geburtshelferin des Weltkurortes Meran geworden.

In Meran ist nach der Kaiserin auch das Elisabeth-Heim benannt, das seit seiner Gründung hindurch eine Kleinkinderbewahranstalt war, allerdings mußte auf ihr Geheiß hin auch eine Turnhalle neben dem Elisabeth-Heim errichtet werden, denn Elisabeth förderte sehr stark das Turnen und die Gymnastik. Es ist wohl ein Zufall, daß gerade heuer, diese Turnhalle nach vielen Jahren der Zweckentfremdung wieder der Bürgerschaft als Turnhalle zurückgegeben werden könnte. Nach der Kaiserin Elisabeth war bis in die Zeit des Faschismus die Becherhütte in den Stubaier Alpen benannt. Dieses Schutzhaus befindet sich auf dem Bechergipfel auf einer Höhe von 3200 Metern und wurde 1893 auf Betreiben der Sektion Hannover vom Deutschen Alpenverein errichtet. Die Benennung "Kaiserin Elisabeth-Haus" hat folgende Ursache: Der damalige österreichische Ackerbauminister erklärte, daß er keinen staatlichen Grund mehr für Schutzhüttenbauten in den Stubaier Alpen verpachte; um nun das Vorhaben dieses Hüttenbaues doch durchsetzen zu können, wandten sich die Promotoren unterstützt von Dr. Grienberger und anderen Wiener Freunden, an die österreichische Kaiserin mit der Bitte das Protektorat über das Schutzhaus zu übernehmen; nachdem die huldvolle Genehmigung dieser Bitte fast umgehend erfolgt war, verlangten sie, unter Hinweis auf dieselbe, vom Ackerbauminister sofortige Überweisung des Bechergipfels als Bauplatz und Ausstellung eines Pachtvertrages mit zehnjähriger Gültigkeit, welche Forderungen nun ebenfalls umgehend bewilligt wurden!

Trotz des ungünstigen Sommers konnte am 14. August 1894 mit der inneren Ausstattung begonnen werden, und trotzdem von da an furchtbare Schneestürme herrschten, war das Haus am Tage vor der Eröffnung schon überfüllt. Uber die Eröfnungsfeier am 17. August, am Vorabend des Geburtstages von Kaiser Franz Joseph, brachten die "Mitteilungen des D.Oe.A.V. einen umfangreichen Bericht. Diese Abhandlung über die Denkmäler und Erinnerungsstätten für die Kaiserin Elisabeth, kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, aber sie ist sicher ein bescheidener Beitrag, dieses geschichtliche Erbe aufzuzeigen und in Erinnerung zu rufen.


von Georg Hörwarter

Meran, Lauben 68
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