Unterhalb von Schloß Tirol
Von Schloß Tirol aus führt ein gemütlicher zehnminutiger
Spaziergang nach St. Peter ob Gratsch. Die hochinteressante
Kirche, in deren Fundamenten die Reste von zwei
frühmittelalterlichen Vorgängerbauten stecken, stammt in
ihrer heutigen Form im wesentlichen aus dem 9. Jahrhundert,
ein Seitenschiff wurde im 12. Jahrhundert angesetzt. Die
archaologischen Untersuchungen haben überraschende Funde an
den Tag gebracht: zwei uralte Altare, ein Reliquiengrab,
Skelettreste und vor allem zahlreiche Fragmente einer
offenbar frühmittelalterlichen Ausstattung der Kirche mit
Stückornamenten. Bemerkenswert ist auch der Grundriß, über
dem sich eine fruhromanische Kreuzkuppelkonstruktion mit
Vierungsturm erhebt. Der bedeutendste Kunstschatz der Kirche
besteht in Fresken der spätottonischen Zeit (um 1080); sie
schließen einen Teil der in der Geschichte Südtiroler
Wandmalerei klaffenden Lücke von etwa 300 Jahren zwischen
karolingischer und hochromanischer Freskomalerei. Diese
außerst singularen Bilder befinden sich an der südlichen
Außenmauer (Christus zwischen Petrus und Paulus, gerahmt von
einem frühromanischen Ornament aus Scheibenkreuzen), innen
an der Sockelzone der Apsis (dekorative Malerei) und in der
Rundbogennische an der Ostwand des südlichen Querarms
(Brustbild des Apostels Paulus). Dieses letztgenannte Fresko
muß mit seiner Farbintensitat, der Ausdrucksstärke des
Gesichts und der souveranen Geometrie des Bildaufbaus als
Meisterwerk seiner Zeit angesehen werden. Wie stark dieser
spätottonische Stil von byzantinischen Einflussen gepragt
war, ist besonders am Außenfresko zu erkennen. Auffallender,
wenngleich von zweiträngiger Bedeutung, sind die gotischen
Fresken: in der Apsis die zwölf Apostel unter Baldachinen,
Christus in der Mandorla, Evangelistensymbole und Heilige in
den Fensterlaibungen; außen der hl. Michael mit der
Seelenwaage, die Heiligen Katharina und Barbara. Man beachte
im Innern den großen schlichten Taufstein mit einem
Relieflkopf, womöglich aus romanischer Zeit, und die in die
Innenwande eingemauerten Säulen unbekannten Alters. Von St.
Peter führt der Weg weiter zum nahen alten SchloB
Thurnstein, jetzt Café und Gasthaus in aussichtsreicher
Lage. Von hier kann man über die Laurin-StraBe in das in
Wein- und Obstkulturen versinkende Algund ab steigen un d
die Reliefsteine mit Fabelwesen an der alten Pfarrkirche
betrachten; in der Nähe sind die über 3000 Jahre alten
"Menhire" gefunden worden, welche jetzt zu den wichtigsten
Stücken des Meraner Museums gehoren. Sollte man den Rückweg
über Dorf Tirol vorziehen, kann man noch einen Blick in die
im übertrieben romantischen Stil erneuerte zinnenreiche
Brunnenburg mit dem landwirtschaftlichen Museum werfen. Die
Burg hat ihre eigene Berühmtheit dadurch erlangt, daß der
amerikanische Dichter Ezra Pound, der den Faschisten seine
intellektuellen Dienste zur Verfügung gestellt hatte, lange
Jahre hier zu Gast war, nachdem er seine Haftstrafe verbüßt
hatte.