Schloss Schenna

Das Schloss, das ab 1350 von Petermann von Schenna erbaut wurde und bald danach in den Besitz der Starkenberger überging, war Schauplatz einer heftigen Belagerung. Die Starkenberger, wie der Großteil des lokalen Adels dem Habsburger Landesfürsten Friedrich “mit der leeren Tasche” feindlich gesinnt, da er es mehr mit Bürgern und Städten hielt als mit ihnen, hatten in Südtirol eine ungewöhnliche Machtfülle angesammelt. Sie ging im Burggrafenamt so weit, dass das Schloss Tirol schließlich völlig isoliert inmitten Starkenberger Burgen lag. Das ging dem Herzog Friedrich zu weit. Während Ulrich von Starkenberg auf einem Hussitenfeldzug Zerstreuung suchte, überfiel daheim der Herzog seine Besitzungen und eroberte eine Burg nach der anderen – bis auf Schenna, das von Ulrichs Frau mit Hilfe von 40 Schützen verteidigt wurde. Erst als sich nach Wochen abzeichnete, dass Ulrich keine Hilfe bringen konnte, übergab sie die Burg gegen freien Abzug.

Gut 400 Jahre später richteten sich ein zweites Mal die Augen der interessierten Öffentlichkeit auf diese Burg: 1844 erwarb sie Erzherzog Johann und richtete sich herrschaftlich in ihr ein. Er war eben jener Habsburger, der durch seine morganatische Ehe mit der Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl am Wiener Hof einen unerhörten Skandal auslöste. Die Affäre zwischen Erzherzog und Posthalterstochter, welche das Haus Habsburg tiefer bewegte als die Legionen von Toten auf den Schlachtfeldern seiner Großmachtpolitik, fand nach langen Komplikationen ihr standesgemäßes Ende. Anna Plochl wurde anlässlich ihrer Vermählung mit Erzherzog Johann der Name und Titel einer Freifrau von Brandhofen verliehen und später, gemeinsam mit dem Sohn Franz Ludwig und dessen Nachkommen, in den erblichen Stand der Grafen von Meran erhoben. Erzherzog Johann allerdings musste auf alle dynastischen Rechte verzichten. Die ganze Angelegenheit war damals freilich keine anachronistische Klamotte, wie sie heute in ähnlichen Fällen nur noch die Klatschspalten der Regenbogenpresse füllt. Zu einer Zeit, als sich die gesamte politische Macht in den Händen des Adels befand, war dieser aus höchst materiellen Gründen auf die Abgrenzung zu anderen Ständen angewiesen.

Diesem in Südtirol überaus beliebten Erzherzog Johann ist die jetzige Einrichtung des Schlosses zuzuschreiben. Es enthält Raume und Säle mit prachtvollen Täfelungen und verzierten Kassettendecken, schönen Fayence-Öfen, Sammlungen guter Sakral- und Profangemälde (besonders Porträts zahlreicher Habsburger, unter anderen vom Erzherzog selbst, sowie von Andreas Hofer und seinen Mitstreitern) und viele Erinnerungsstücke an den unkonventionellen Erzherzog. Damit und mit der reichen Waffensammlung zählt Schloss Schenna zu einen der beliebtesten und sehenswertesten Schlössern in Südtirol

(aus Kunst-Reiseführer Südtirol)