Meran und der Kurtourismus

Ab 1890 war die Blütezeit des Meraner Kurtourismus. Viele suchten jetzt den Kurort auf, um sich zu entspannen und zu erholen. Nur ein Teil der Gäste kam noch zur Genesung nach Meran. So beauftragte die Stadtgemeinde Meran im Jahre 1905 den bayrischen Architekten Max Langheinrich, einen Schüler des Stadttheater-Projektanten Martin Dülfer, mit dem Bau eines Kurmittelhauses. Dieses Gebäude in der Otto-Huber-Straße, nicht unweit von der Promenade, wurde bereits im Herbst 1907 in Betrieb genommen. Mit dieser neuen städtischen Kur- und Badeanstalt konnte Meran nun mit den gleichrangigen Kurorten Mitteleuropas konkurrieren.

Das groß angelegte Gebäude hat vier Stockwerke. Durch einen halbrunden, mit Säulen versehenen Vorbau gelangt man zur geräumigen Eingangshalle mit einer Glaskuppel. Von da aus führt eine breite Marmortreppe nach oben. Das Marmorgeländer, die Säulen, die Deckenmalereien und Glasarbeiten weisen schöne Jugendstilornamente auf und versetzen den Besucher in die Zeit der Jahrhundertwende. Im neuen Kurmittelhaus gab es viele innovative Kurmöglichkeiten: Wannenbäder mit verschiedenen Zusätzen, Duschen, Inhalationsapparate, eine „Pneumatische Kammer“ für acht Personen, 24 sog. „Zander“-Apparate für heilgymnastische Übungen und ein Schwimmbad.
Im zweiten Stock waren Luft- und Sonnenbäder untergebracht, die man dank heizbarer Glaskabinen auch im Winter nutzen konnte.
Das Haus verfügte über modernste Ausstattung, wie Aufzüge, Elektrizität und Zentralheizung. Das Wasser wurde aus einem eigenen Tiefbrunnen entnommen. Die im Untergeschoss eingerichteten Bäder 2. Klasse, das sog. “Volksbad“, wurde vor allem von den Einheimischen zur Körperreinigung viel benutzt.
Ab dem Ersten Weltkrieg setzte ein starker Besucherrückgang ein und das Haus erlebte einen stetigen Niedergang, bis es schließlich im Herbst 1962 ganz geschlossen wurde.
Im Jahre 1982 ließ die Stadtgemeinde dieses Schmuckstück an Meraner Architektur renovieren. Heute sind darin ein Kindergarten, eine Senioren-Tagesstätte, ein Bürgersaal und ein Ausstellungssaal untergebracht. Der Kurbetrieb ging in einem gewissen Maße in den SALVAR-Thermen weiter, die im Jahre 1972 auf dem Gelände des ehemaligen Hotels „Meraner-Hof“, jenseits der Passer, neu eröffnet wurden. Seit Dezember 2005 gibt es an deren Stelle einen großzügigen Thermen-Neubau mit angegliedertem Hotel. Heute sind es die dortigen Schwimmbäder und Wellness-Einrichtungen, welche sowohl dem Feriengast als auch dem Einheimischen Badevergnügen, Entspannung und Erholung bieten.