Glurns

C.A.Altinante 2Von Schluderns zweigt eine Straße ab nach Glurns. Obwohl das winzige Städtchen kein Kunstwerk von Bedeutung enthält, gehört es zu den größten Sehenswürdigkeiten Südtirols. Glurns wurde nach seiner völligen Einäscherung durch die siegreichen Schweizer i n der Schlacht an der Calva (1499) nach Plänen des kaiserlichen Hofbaumeisters Jorg Kölderer als kleine Festungsstadt neu aufgebaut und hat sein Stadtbild seitdem fast unverändert erhalten. Was sich hinter den Mauern mit Stadtplatz, Fuggerhaus und Laubengasse recht bürgerlich gibt, entpuppt sich jedoch als Bauernstädtchen, weshalb schießscharten starrende Tortürme mit Hühnern in den Durchfahrten und durch die Gassen trottende Kuhherden noch immer zum Gesicht der kleinen Stadt gehören. In einem großangelegten Sanierungsprogramm hat sich Glurns herausgeputzt und sucht nun im Tourismus seine Zukunft. Unausweichlich bleibt damit ein Teil seines bäuerlichen Charakters und seiner Originalität auf der Strecke.

Man betritt die Stadt durch einen der drei Tortürme. Sie blicken jeden Ankömmling durch ihre Reihen von Schießscharten drohend an und zeigen mit zusätzlichen Gußerkern und Vorrichtungen für Fallgatter und Zugbrücken noch heute, wie sehr man den damals einzig möglichen Feind, die Schweizer, gefürchtet hatte. Rasch gelangt man zum geräumigen, schattigen Hauptplatz, gesäumt von stattlichen, teils schön bemalten Häusern mit Rundbogenportalen und Erkern, wo sich – wie es sich für den Stadtplatz gehört – die Gasthäuser befinden. Größte Attraktion ist die dort mundende, origi­nal erhaltene Laubengasse, so niedrig, dass man sich den Kopf stößt. Das hat seinen Grund in den häufigen Überschwemmungen, denen die Stadt ausgesetzt war und die das Niveau des Bodens unter den Lauben immer mehr hoben. Auch die anderen Gassen sind einen Rundgang wert: Glurns ist ein ganzes Städtchen voll pittoresker Winkel mit ständig wechselnden Ausblicken auf ein vollkommenes mittelalterliches Stadtbild. Zuletzt lohnt sich ein Besuch der südlich auf einer kleinen Anhöhe gelegenen gotischen Pfarrkirche St. Pankratius mit großem Außenfresko des Jüngsten Gerichts (1496). Von dort hat man auch den besten Blick auf Türme und Mauern: immerhin die einzige vollständig erhaltene Stadtbefestigung Tirols.