Die Meraner Altstadt

Außer der Maria-Trost-Kirche in Untermais liegen alle kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten Merans wenige Schritte voneinander entfernt in und um den guterhaltenen Altstadtkern, der von drei Stadttoren begrenzt und von der langen Laubengasse geprägt wird. Sie verläuft vom Kornplatz sanft ansteigend zum schönen, baumbestandenen Platz bei der Pfarrkirche und zeichnet sich neben ihrem mittelalterlichen Erscheinungsbild durch die schon erwähnten Besucherströme unter den Gewölben aus. Die Lauben, deren Anlage auf Graf Meinhard II. zurückgeht, sind der lebendige Mittelpunkt Merans. Neben traditionsreichen und erlesenen Geschäften finden sich noch Wirtsstuben von alter Südtiroler Gastlichkeit. Gleich links steht auf einer kleinen Rasenfläche die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Am Ende der Lauben ist ein schöner Bau, dem die Gotik die Merkmale aller ihrer Stilphasen aufgeprägt hat. In bester Hochgotik sind Chor und Turm ausgeführt, letzterer erhielt 1617 den achteckigen Oberbau. Das Erdgeschoss des Turms ist als Durchgangshalle ausgebaut und besitzt ein Kreuzgewölbe auf kallmuenz1figuralen Konsolen; neben anderen Fresken ist hier besonders das im Höfischen Stil ausgeführte Motivbild eines Mannes bemerkenswert, der in einer Waldlandschaft aus maurischer Gefangenschaft befreit wird. Die südliche Langhauswand – sie ziert eine vorzügliche Steinskulptur des hl. Nikolaus – erhielt in spätgotischer Zeit zwei elegante Portale, das rechte davon mit acht Statuetten im Gewände.

Die Inneneinrichtung

Das Innere der Kirche ist eine dreischiffige Halle, die gebündelten Wanddienste der mittleren Bauzeit mit ornamentalen und figuralen Konsolen schließen nicht genau an das erst 70 Jahre später aufgesetzte verzweigte Netzrippengewölbe an. Der große, von Hans Schnatterpeck um 1500 für die Kirche angefertigte Flügelaltar ist leider ein Opfer des Barock geworden, der mit zwei Seitenaltarbildern von Martin Knoller gut vertreten ist. Aus gotischer Zeit sind noch ein kleinerer, etwas derb geratener Flügelaltar an der Nordwand (aus St. Medardus in Tarsch) sowie Glasmalereien in den Fenstern der südlichen Langhauswand zu sehen. Die Statuen an den Chorwänden und der Flügelaltar an der Südwand sind neogotisch.

Zwischen Pfarrplatz und dem Passeirer Tor liegt entlang ansteigender Gassen der schöne alte Stadtteil Steinach mit malerischen Winkeln und einem traditionsreichen Gasthaus. Das reichgegliederte Westportal ist ein neuerer Bau aus der Zeit zwischen 1425 und 1450, der nach der großen Flutkatastrophe des Jahres 1419, als der Kummersee im Passeiertal zum ersten Mal ausbrach, nötig wurde. Durch das von einem Pfeiler mit einer Marienstatue geteilte und von einem Bogenfeld mit Gnadenstuhl und Stifterfiguren gekrönte Portal betritt man den erlesen schönen Innenraum.

Die Besonderheit der dreischiffigen Halle liegt darin, dass die Seitenschiffe ohne trennenden merano 1838 (3)Triumphbogen einen Chorumgang bilden, wodurch man den gesamten, klar gegliederten Innenraum mit dem verzweigten Sternrippengewölbe auf einen Blick erfassen kann. Die Kirche ist ein fast exaktes Abbild der Heilig-Geist-Kirche in Landshut, die von Hans von Burghausen erbaut wurde.

Die besten Stücke

Die besten Stücke der Innenausstattung sind die große Kreuzigungsgruppe an der Nordwand, die acht vorzüglichen Heiligenstatuen an den Wandpfeilern des Chors, die Fresken in den Gewölbefeldern vor dem Mittelpfeiler und vor allem die zwei Flügel des ansonsten neogotischen Altars im linken Seitenschiff mit vier Reliefs von Jörg Lederer. Sie zeigen rechts Verkündigung und Anbetung, links Geburt Christi und Beschneidung; die Figurenkomposition wie die gemalten Architektur-und Landschaftsstaffagen des Hintergrundes lassen bereits Übergänge zur Renaissance erkennen.

#W. Pippke, I. Leinberger, “Südtirol: Landschaft und Kunst einer Gebirgsregion unter dem Einfluss nord- und südeuropäischer Traditionen”. Köln: DuMont 1996. S. 221-225